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Was genau bedeutet Yoseikan Bajutsu auber
einer Kampfsportart auf dem Pferderücken ? Yoseikan
Bajutsu liegen die ältesten Kriegstechniken des
japanischen Feudalzeitalters zugrunde und es umfabt
die von den berühmten Samurai angewandten Kampftechniken.
Heutzutage dient diese Disziplin zwar keinen kriegerischen
Zwecken mehr ; sie ist jedoch nach wie vor eine
Kampfsportart sowie eine wirkliche reiterliche Disziplin.
Sie beinhaltet eine Reihe verschiedener Techniken
wie beispielsweise Bogenschieben,
Schwertkampf, Speerwerfen, Lanzen-, Dolch- und Stockführung,
Fall- und Aufsteigübungen und- techniken, Dressur,
Voltigieren auf der Geraden (Voltigierübungen wie
z. B. Hängen an einer Seite des Pferdes im Galopp,
wie sie häufig von den Kosaken praktiziert werden),
Kampf mit Infanteristen, Springen über Hindernisse,
waffenloser Kampf mit Infanteristen und anderen
Reitern, Studium der Katas (eine Reihe verschlüsselter
Bewegungsabläufe ; in gewisser Weise mit einer Dressurvorführung
zu vergleichen) usw.
Diese Reitkunst in Verbindung mit Bogenschieben
setzt sich im Yabusame (im heutigen Japan bei den
traditionellen Shinto-Zeremonien praktizierte Art
des Bogenschiebens) fort.
Anders als heute, bestieg man früher in Japan ein
Pferd von rechts und verlagerte dabei das Körpergewicht
nach hinten. Der Samurai zu Pferd befestigte die
Zügel an einem Ring seiner Rüstung, damit er die
Hand zum Kämpfen oder Bogenschieben
frei hatte und steuerte sein Pferd lediglich mit
Schenkeln und Gewicht. Der hölzerne Sattel war mit
Stoff oder Leder überzogen und mit einer Rückenlehne
versehen. Die Steigbügel waren breit und massiv,
wodurch sie einen sicheren Sitz in allen Gangarten
ermöglichten. Ba (Pferd) Jutsu (Technik) ging eine
vollständige reiterliche Ausbildung mit und ohne
Rüstung voran, vom entsprechenden Training der Pferde
bis hin zur Beherrschung der Hilfen. Weiterhin wurde
der Reiter im Springen von Hindernissen, Durchqueren
von Flüssen und der Handhabung verschiedener, zu
Pferde einsetzbarer Waffen unterrichtet : grobe
Schwerter, Bögen, Yari, Naginata usw. Jeder Kriegerclan
hatte seine eigene Bajutsu-Technik inne. Eine der
ältesten traditionellen Bajutsu-Schulden war die
im 15. Jahrhundert gegründete Otsubo-Ryû, in der
ein grober Bogen (Yumi)
und ein sehr langes gebogenes Schwert (O-Dachi)
verwendet wurden. Diese in Europa als feudal
und unedel angesehene Art des Bogenschiebens
war in Japan den Aristokraten und einigen speziellen
Korps der Kavallerie vorbehalten. Die Pferde wurden
für den Kampf mit einer Lederrüstung geschützt,
die auf der Stirn mit Metallplatten versehen war.
Nach 1600 geriet Bajutsu in Japan in Vergessenheit,
da man im Krieg den Feuerwaffen den Vorzug gab.
Heute liegen die Dinge ein bibchen
anders : Ende der achtziger Jahre gründete der japanische
Meister Hiroo MOCHIZUKI, der selbst ein Samurai-Nachfahre
ist, die Yoseikan-Schulde und nahm somit die Tradition
wieder auf mit einigen Anpassungen des Bajutsu
an die heutige Zeit. Aufgrund seiner Herkunft und
seiner immensen Erfahrungen im Budosport (8. Dan
Jiu Jitsu, 8. Dan Aikido, 7. Dan Karate, 5. Dan
Iaido, 3. Dan Judo usw.) hatte Hiroo MOCHIZUKI,
der seit frühester Jugend reitet, keinerlei Probleme,
Bajutsu zu modernisieren und der Breiten Masse zugänglich
zu machen.
Vor zwei Jahren wurde ich zum Directeur Technique
Mondial, zum weltweiten technischen Leiter ernannt,
und heute obliegt mir die schwierige Aufgabe, das
technische Programm dieser Disziplin aufzustellen.
Dank der Unterstützung meiner treuen Helfer, allen
voran Olivier MATTON und Patrice JAMINET (beide
derzeit Träger des 2. Dan) sowie Valérie, die das
spezielle Training der Pferde übernimmt, kann ich
nun mit Freuden feststellen, dab
Bajutsu nach sieben Jahren in Belgien Nachahmer
im Ausland gefunden hat. Zwar gilt Bajutsu vielerorts
noch als Geheimtip ; es hat jedoch mittlerweile
Interessenten und Anhänger in Frankreich, Deutschland,
den Niederlanden, Luxemburg, der Schweiz, Italien,
Kanada und den USA. Der funktionelle Aspekt von
Bajutsu für alle Sparten der Reiterei wird zusätzlich
dadurch hervorgehoben, da die berittene Polizei
von Mons seit 1996 Unterricht in einem speziell
auf sie zugeschnittenen Bajutsu nimmt. Selbstverständlich
wird der Bogen nicht mehr direkt eingesetzt, sondern
hat eher pädagogischen Wert. Es wurden Techniken
zur Festnahme und zur Verteidigung zu Pferde entwickelt,
damit die berittene Polizei einer Vielzahl von Situationen
gerecht werden kann. Darüber hinaus erhalten die
Polizeipferde dank der Dressurtechniken des Bajutsu
eine solide Ausbildung. Es ist daher kein ungewöhnlicher
Anblik, wenn sich auf dem Parkplatz unseres Reitstalls
Ecuries du Grand Royal Fahrzeuge und Pferdetransporter
der Polizei befinden, denn Valérie und ich geben
jeden Monat Kurse für Polizeipferde und berittene
Polizisten.
Stany
LEDIEU
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