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Überall auf der Welt, wo es Tiere gibt, auf denen
der Mensch reiten kann, nutzten Krieger diese Tiere
für ihre Zwecke. Ob dies die Ritter des europäischen
Mittelalters, die Reiterhorden des Dschingis Khan
oder die Nomaden der Sahara auf ihren Dromedaren
waren : Alle erkannten die Vorteile des berittenen
Kriegers. Er ist schneller, nutzt den Vorteil der
erhöhten Position. Ebenfalls ist die Wucht eines
Hiebes aus dem vollen Galopp ungleich gröber
als zu Fuspanb
Aus Skelettfunden weibman,
dab bereits in prähistorischen
Zeiten Pferde auf den japanischen Inseln vorkamen,
und bereits vor der Entstehung der Kriegerkaste
der Bushi zogen berittene Krieger durch das Land.
In späteren Zeiten wurde die Kunst des Reitens ein
fester Bestandteil der Ausbildung eines Bushi. Wer
ein Pferd besab, bot
einen aristokratischen Anblick und war auf den ersten
Blick als Angehöriger des Adels zu erkennen.
Während der Kamakura-Periode wurde tägliche Übung
in den Kampfkünsten unerläblich
für den samurai. Und neben dem Kampf mit Schwert,
Bogen und Naginata gehörte auch das Bajutsu dazu,
die Kunst ein Pferd zu reiten und auf seinem Rücken
zu kämpfen.

Das Bajutsu besab eigene
Kihon (Grundübungen), die jedem Training vorangingen.
Sodann folgte das Norikata, das korrekte Aufsitzen,
das dem eigentlichen Kampf vorausgeht. Dies mub
te zuerst beherrscht werden, bevor man sich in der
Kunst übt, einen Gegner vom Pferd aus zu bekämpfen.
Einmal im Sattel, kannte der Samurai den richtigen
Sitz, der es ihm ermöglichte, sich stundenund tagelang
im Sattel zu halten. Ebenso konnte er das Pferd
ohne Zügel lenken, damit er die Hände frei hatte,
um die Waffen führen zu können.
Die Notwendigkeit, Flüsse und Furten zu überqueren,
führte zur Entwicklung einer weiteren Kunst, dem
Sui-Bajutsu (Wasser-Pferdekunst). Hierbei wurde
der Krieger ausgebildet, zusammen mit seinem Reittier
Wasser zu durchqueren und selbst in dieser ungünstigen
Position zu kämpfen.
Vornehmlich, wie auch auf dem Boden, das Schwert,
hier besonders das Tachi, jener Säbel, der als Vorgänger
des Katana gilt. Das Tachi war stärker gekrümmt
als das Katana und wurde mit der Schneide nach unten
am Gürtel getragen. Dies führte zu einer Erde-Himmel-Zugweise,
die im Kampf zu Pferd günstiger war als der Himmel-Erde-Zug
des Katana. Man konnte so Gegner auf dem Boden bereits
beim Ziehen der Waffe niederschlagen.
Die wohl bekannteste Spielart des Reiterkampfes
ist wahrscheinlich das Yabusame, des Bogenschiben
zu Pferd. Auf dem Schlachtfeld mubte
der Krieger in der Lage sein, seinen Gegner auch
im vollen Galopp zu treffen.
Weiter wurden Yari (Speer) und Naginata (Schwertlanze)
eingesetzt, die allein durch die Wucht des angreifenden
Reiter verheerenden Schaden anrichteten.
Eine beinahe in Vergessenheit geratene Waffe, die
erst zu Pferd ihre ganze Gewalt ausspielt, ist das
Tetsubo (Eisenstab). Diese Waffe ist eine Art eiserne
Keule, am oberen Ende stärker, sich nach unten verjüngend,
und oft mit Spitzen besetzt. Es bedarf grober
Kraft, um diese Waffe vom Boden aus zu führen, denn
durch ihr grobes Gewicht
ist sie sehr schwerfällig. Wird das Tetsubo jedoch
vom Pferd aus geführt, wird es zu einer tödlichen
Waffe gegen
Soldaten zu Fub, denn
durch die Energie des galoppierenden Pferdes vergrö
bert sich die Aufprallwucht
derart, dab selbst eine
Rüstung keinen Schutz mehr bietet. Bei all den Vorteilen
des Reiters was taten die unberittenen Soldaten,
um sich zu schützen ? Die Ashigaru, meist ausgehobene
Bauern und andere Angehörige niederer Stände, waren
immer weniger gut gerüstet als ihre Herren, die
Samurai. Doch dadurch waren sie auch wendiger
ihr Name bedeutet wörtlich schnelle Fübe.
Für sie bestand der beste Schutz darin, das Reittier
des Kriegers zu Fall zu bringen, denn einmal auf
dem Boden, war der Samurai in seiner Rüstung zu
schwerfällig, um sich schnell zu erheben.
Meist wurden den Pferden die Beine unter dem Körper
weggeschlagen, oft mit Naginata oder Tetsubo, um
den unglücklichen Reiter dann zu töten. Die Samurai
erkannten sehr früh den Wert des Pferdes als Helfer
und Waffe. Und so ist es nicht verwunderlich, wenn
die Sättel und Geschirre bald ebenso wertvoll wurden,
wie alle anderen Waffen. Berühmte Schwertschmiede
wie Muramasa stellten Sättel her, die mit Gold und
Silber verziert waren.
Ebenfalls wurden die Pferde mit Rüstungen geschützt,
um sie ebenso gefährlich wie ihre Reiter zu machen.
Viele Streitrosse sahen wie Drachen aus, wenn sie
in voller Rüstung ins Feld zogen. An den Sätteln
waren Bambusstäbe befestigt, die Banner mit dem
persönlichen Mon, dem Wappen, des Reiters trugen,
oder auf denen die groben
Taten eines Daimyo aufgeführt wurden. Die Hufe wurden
auch mit Stroh umwikkelt, um das Tier vor Kälte
und Eis zu schützen.
Als erstes systematisierte das Otsubo-ryu das Bajutsu,
ihm folgten dann noch an die fünfzig weitere Traditionen.
Leider wird der berittene Kampf heute kaum noch
geübt. Viele halten dies für veraltet, doch kann
schon Reiten allein dem heutigen Kampfsportler viele
Vorteile bieten.
Die Arbeit mit einem Lebewesen stellt an den Reiter
grobe Anforderungen an
Einfühlungsvermögen und Körperbeherrschung. Es fördert
den Gleichgewichtssinn, der gerade in den Kampfkünsten
vorrangige Bedeutung hat. Natürlich kann man in
einer Reitschule nicht mehr lernen, vom Pferd aus
zu kämpfen, doch kann auch ganz normales
Reiten sich sehr günstig auf die Entwicklung des
Kampfsportlers auswirken. Leider sieht man heute
nur noch wenige Männer in den Reitvereinen, un viele
halten Reiten ganz offen für einen Damensport.
Offenbar waren die Samurai nicht dieser Meinung.
In Europa wurde diese alte Form des Kampfes vor
allem von Meister Hiroo MOCHIZUKI (8.Dan Aiki, 8.Dan
Ju-Jitsu, 7.Dan Karate, 5.Dan Iai), dem Begründer
des Yoseikan Budo, zu neuem Leben erweckt.
Dab er dabei nur sehr
beschränkt auf sein Heimatland Japan zurückschauen
konnte, liegt auf der Hand, denn hier gibt es kaum
noch Schulen, die das komplette traditionelle Bajutsu
lehren. Auber dem Yabusame
gibt es kaum noch überlebende Techniken.
Das Programm des Yoseikan Bajutsu ist vielseitig
und praxisgerecht. Neben dem Erlernen der eigentlichen
Reitkunst übt der Anfänger zuerst einmal die Handhabung
der verschiedensten Waffen, so etwa den Speerwurf
und das Speerstechen, das Kämpfen mit Schwert und
Dolch sowie das Bogenschieben.
Erst später folgt das gleiche auf dem wakkeligen
Pferderücken.
Interessanterweise wird dabei nicht der lange,
asymmetrische japanische Bogen benutzt, sondern
der kurze, gekrümmte mongolische Reiterbogen, der
heute noch in Korea hergestellt wird und sich wesentlich
besser für das Schieben
vom Pferd herunter eignet als der umständliche Bambusbogen
der Japaner. Bei den Schwerttechniken werden sowohl
das echte stählerne Katana benutzt als auch das
Holzschwert (Boken) und die mit Schaumstoff überzogene
Übungswaffe (ken mousse = Tchôbo) des Yoseikan Budo.
Ganz klar, dab auch
hier Vorsicht oberstes Gebot ist und dab
die scharfe Waffe gröbtenteils
nur bei Zielübungen zur Anwendung kommt.
Beim Zweikampf gegen einen oder mehrere andere
Reiter gebraucht man die für den anderen absolut
ungefährliche Übungswaffe.
Hat der Anfänger-Bajutsuka sich erst mal mit seinem
Reittier und den Waffen vertraut gemacht, wartet
noch ein ganzes Spektrum von immer schwierigeren
Übungen und Fertigkeiten auf ihn : der kontrollierte
Fall von einem Pferd, das Bogenschieben
zuerst vom trabenden, dann vom galoppierenden Pferd
herunter auf die verschiedensten Ziele, das Speerstechen
und werfen, das Werfen mit dem Dolch, das
Kämpfen mit dem Schwert zu Pferde und vieles mehr.
Im deutschsprachigen Raum gibt es zur Zeit noch
keinen Yoseikan-Bajutsu-Verein, Verantwortlicher
für Deutschland und den World ist Stany LEDIEU (4.Dan).
Interessenten brauchen übrigens keine Scheu zu
haben, sich bei ihm zu melden : Sie müssen weder
ausgebildete Reiten sein noch über herausragende
Kampfkunstvorkenntnisse verfügen. Pferde und Waffen
werden dem Anfänger zur Verfügung gestellt.
Stany
LEDIEU
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